Die Grundlagen des Zeichnens und Malens Teil 3 - Bildkomposition

Es wird mal wieder Zeit, dass ich meine Serie "Die Grundlagen des Zeichnens und Malens" weiterführe.
In den ersten beiden Teilen habe ich euch von der Farbenlehre und von Proportionen berichtet. Beides Voraussetzungen, einen Menschen, ein Tier....in Farbe zu malen. 
Doch nur das Motiv macht meistens nicht alleine ein gelungenes Bild aus.


Auch der Hintergrund, die Lichtführung, die Farbgebung usw. spielen eine Rolle bei einer gelungenen Bildkomposition. Und dabei ist es sogar egal, ob man abstrakt malt oder realistisch.


Ich habe so meine Probleme mit gelungenen Hintergründen, die sich mit der Figur gut ergänzen. Früher habe ich mich gar nicht an so etwas wie Bildkomposition getraut, da schwebten meine Figuren dann eben im weißen Nichts ;)


Doch ich habe einiges lernen können in letzter Zeit zu diesem Thema. Nicht zuletzt hat mein verhasster Kunstlehrer in der Schule dazu beigetragen. Das muss ich ihm dann doch leider einräumen ;)


So um endlich zur Sache zu kommen beginne ich mit der 

Perspektive

Perspektive stellt die Möglichkeit dar, dreidimensionale Objekte auf einer zweidimensionalen Fläche (Bildschirm, Papier) so abzubilden, dass ein räumlicher Eindruck entsteht. 
Es lassen sich dabei drei Perspektiven unterscheiden: Die Frosch-(von unten), Vogel-(von oben), und Zentralperspektive.
Zusätzlich gibt es viele weitere Perspektiven, die sich von diesen ableiten.

Warum ist Persektive nun so wichtig? Durch eine Froschperspektive können Personen besonders groß und "erhaben" aussehen, durch eine Vogelperspektive wird der Betrachter in eine erhabenere Position gesetzt. Allein die Perspektive kann also die Wirkung einer Person mit entscheiden.

Bei der Zentralperspektive vereinen sich die so genannten Fluchtlinien der Perspektive in einem bestimmten Punkt, dem Fluchtpunkt. Der Fluchtpunkt zieht durch die Linienführung auch gleichzeitig den Blick des Betrachters geradezu magisch an. Wird eine bedeutende Figur des Bildes in den Fluchtpunkt platziert, wird sie auch schneller und intensiver wahrgenommen.



Farbkontraste

Auch Farbkontraste können besondere Aspekte hervorheben oder deutlich machen. Hierbei sind vorallem Kalt-Warm-Kontraste, Hell-Dunkel-Kontraste und natürlich der Komplementärkontrast zu nennen. Auf dieses Thema bin ich in Teil 1 der Grundlagen genauer eingegangen, wer hierzu mehr wissen möchte, liest hier nach:





Der goldene Schnitt

Der goldene Schnitt ist ein bestimmtes Teilungsverhältnis, in welchem Längen oder Größen zueinander stehen. Dieses Verhältnis ist praktisch naturgegeben: Die Höhe und Breite eines Menschen befinden sich im goldenen Schnitt, genauso wie die Maße unserer Handfläche, die meisten Smartphones, die üblichen Türen in Häusern, Flachbildschirme....die Liste ist endlos.

Da der goldene Schnitt naturgegeben ist, wird er auch von uns Menschen als besonders ästhetisch wahrgenommen.
Mathematisch gesehen lässt sich der goldene Schnitt so ausdrücken:
1 : 1,618

Beachtet man also bei seiner Bildkomposition das Größenverhältnis verschiedener Objekte seines Bildes und legt dieses im goldenen Schnitt an, dann wird der Betrachter die Komposition unterbewusst als harmonisch und schön einstufen.



Blickfang

Der Blickfang ergibt sich nun, wenn man alle vorherigen Punkte beachtet hat. Durch die Linienführung und den Fluchtpunkt oder durch Linienführung gemäß des goldenen Schnittes lässt sich der Blick des Betrachters an einen bestimmten Punkt im Bild lenken. Dieser Punkt, eine Figur oder ein Objekt, kann nun noch zusätzlich durch einen Farbkontrast hervorgehoben sein. Und schon ist dieser Punkt, Objekt, Figur das, was der Betrachter zuerst wahrnimmt und was er wahrscheinlich auch am längsten Betrachten wird.
Anders kann aber auch eine Durchbrechung der Linienführung durch ein bestimmtes Objekt zu einem Blickfang führen.
So kann der Künstler seine Betrachter lenken. Versucht es einfach mal! ;)


Abschließend möchte ich euch diese Aspekte nun noch einmal an einem Bild verdeutlicht zeigen:

Das mit der Perspektive klappt bei mir noch nicht so. Mit gutem Willen enden die Fluchtlinien (nicht eingemalt, nur Horizont eingemalt) in einem Fluchtpunkt in der Nähe der Leuchtkugel. Die Wurzeln bilden Linien, die zur Leuchtkugel des Baumes führen, genauso, wie die Lichtstrahlen, die aus der Baumkrone austreten. Der Blick wird also auf Lichtquelle 1 gelenkt. Da Lichtquelle 1 und 2 zusätzlich einen Kalt-Warm-Kontrast bilden, wird Lichtquelle 1 in diesem Bild zum Blickfang.
Die Hügellandschaft im Hintergrund zieht den Blick zusätzlich auf den Baum. Die schwarzen Steine im Vordergrund bilden die Gegenseite der Hügellandschaft. Der Baum scheint in einem See zu stehen, schwer zu erreichen. Obwohl man das Gefühl hat, auf einer Anhöhe zu stehen, ist man nicht auf einer Augenhöhe mit dem Baum. Der Baum muss also gigantisch sein! Dies verdeutlichen auch die Wasserfälle aus seinem Inneren und die kleinen Bäume, die zu seiner (von uns aus) rechten Seite wachsen.
Wie ihr seht habe ich mir also tatsächlich etwas dabei gedacht, als ich dieses Bild anlegte ;) Der Baum sollte gigantisch und übermächtig wirken, seine zentrale Magie in Form einer magischen Kugel sollte der zentrale Blickfang werden. Verdeutlicht wird seine kalte Übermacht im Vergleich zum warmen Sonnenlicht, welches rechts durch die Baumkrone schimmert. Hier konkurriert nun das Sonnenlicht mit dem Licht des magischen Baumes. Oder anders gesagt: Die Macht der Sonne konkurriert mit der Macht des Weltenbaumes Yggdrasils.

Das ist also meine Interpretation des Weltenbaumes! Schon vor vielen Jahren wollte ich dies umsetzten, doch habe mich nie recht getraut. Bis jetzt.

Ansonsten, danke fürs durchlesen! ;)

Liebe Grüße
Eure


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